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«Die Interdisziplinarität dieses Projekts ist bemerkenswert»


Langeweile kennt sie nicht: Geomechanik-Expertin Eleonora Crisci verrät, was sie am Jahrhundertprojekt Tiefenlager fasziniert.

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Bei den neun Tiefbohrungen und der anschliessenden Analyse der Bohrkerne kann die Nagra auf viel Know-how aus dem In- und Ausland zählen. Wir stellen hier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die mit ihrer Expertise zum Gelingen des Jahrhundertprojekts Tiefenlager beitragen. Heute ist die Reihe an:

Eleonora Crisci, Geomechanik-Expertin für Nesol – Numerical Engineering Solutions

Sie ist als Projektleiterin bei Nesol in Lausanne tätig. In ihrem Heimatland Italien studierte Eleonora Crisci Umwelttechnik, bevor sie in die Schweiz kam, um an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne in Geomechanik zu promovieren und nach einem Post-Doc für Nesol zu arbeiten. Ihr Fachgebiet ist das hydromechanische Verhalten von Geomaterialien wie Böden und Felsen. Bereits während ihrer Forschungstätigkeit lag ihr Augenmerk auf dem Opalinuston. Dem Gestein also, in dem das Tiefenlager gebaut werden soll.

Frau Crisci, was ist Ihre Rolle in diesem Projekt?
Ich unterstütze die Nagra mit meiner Expertise bei der Charakterisierung der mechanischen Eigenschaften von Bohrkernen aus der Tiefbohrkampagne. Ich beteilige mich an der Koordinierung und Analyse der Daten aus den Labortätigkeiten, damit wir eine umfassende Charakterisierung der Gesteine erhalten. Die Ergebnisse fliessen in die Modelle ein, die wir benötigen, um die Entwicklung des Tiefenlagers während seiner gesamten Lebensdauer zu simulieren und vorherzusagen.

 

Was fasziniert Sie dabei am meisten?
Der interessanteste Aspekt dieses Projekts ist die Interdisziplinarität – die ist wirklich bemerkenswert. Ich verfüge über einiges an Wissen in einem ganz spezifischen Bereich. In diesem Projekt kann ich mit Weltklasse-ExpertInnen aus anderen Bereichen zusammenarbeiten. In der Forschung ist das nicht selbstverständlich. Auf diese Weise kann ich sehen, wie sich die Ergebnisse meiner Arbeit auf die Ergebnisse anderer auswirken (und umgekehrt), und wie alle Ergebnisse zum Gesamtprojekt beitragen. Und das Projekt ist ja wahrlich ein sehr grosses, sowohl vom Umfang als auch von der Bedeutung her.

«Weltklasse-Experten auf ihren Teilgebieten arbeiten gemeinsam an einem Projekt – diese Interdisziplinarität ist bemerkenswert.»


Das heisst, Sie interessieren sich auch für das Gesamtprojekt Tiefenlager und nicht nur für die Ergebnisse aus Ihrem Teilbereich?
Ja, es ist spannend zu sehen, wie sich das Projekt ständig weiterentwickelt und Gestalt annimmt. Nahezu alle europäischen Länder, und nicht nur diese, befassen sich mit der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Es besteht internationaler Konsens, dass ein geologisches Tiefenlager die am besten geeignete Lösung ist. Es ist cool zu sehen, dass die Schweiz schon ziemlich weit ist und sich mächtig ins Zeug legt, um eine Lösung zu finden.

 

Wie würden Sie jungen Menschen Ihren Beruf schmackhaft machen?
Mein Beruf ist sehr herausfordernd und es wird dir nie langweilig. Es gibt Momente, in denen du denkst: Jetzt weiss ich Bescheid. Dann forschst du weiter, entdeckst etwas Neues und merkst: Eigentlich habe ich noch gar nichts verstanden. Du kannst dich immer weiter verbessern, dazulernen und noch mehr herausfinden. Das hält dein Hirn fit.

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