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«Das Problem ist lösbar – das motiviert»


«Wir brauchen eine Lösung», ist Wissenschaftlerin Maria Marques Fernandes vom PSI überzeugt. «Deshalb ist diese Aufgabe eine der wichtigsten, die man als Forscherin derzeit haben kann.»

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Bei den neun Tiefbohrungen und der anschliessenden Analyse der Bohrkerne kann die Nagra auf viel Know-how aus dem In- und Ausland zählen. Wir stellen hier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor, die mit Ihrer Expertise zum Gelingen des Jahrhundertprojekts Tiefenlager beitragen. Heute ist die Reihe an:

Maria Marques Fernandes,
Head of clay sorption mechanisms group am Paul Scherrer Institut
Maria Marques Fernandes hat Geophysik studiert. Schon in ihrer Doktorarbeit beschäftigte sie sich mit geochemischer Endlagerforschung. Danach wechselte sie ans Paul Scherrer Institut (PSI). Hier untersucht sie anhand zahlreicher Experimente die Sorptionsprozesse (Rückhalteprozesse) an tonreichen Mineralien. Am Ende der Experimente entstehen Modelle, die in den Sicherheitsüberlegungen der Nagra eine wichtige Rolle spielen.

Was untersuchen Sie konkret in Ihrem Labor am PSI?
Wir nehmen in unserem Labor Tongesteine und geben ein toxisches oder radioaktives Element dazu. Dann untersuchen wir, ob und wieviel der Stoffe am Ton haften bleiben. Je mehr, desto besser. Was nicht haften bleibt, geht nämlich in Lösung: Das heisst, es kann weitertransportiert werden. Das ist ein Effekt, der in Bezug auf ein Tiefenlager nicht erwünscht ist, denn die radioaktiven Stoffe sollen im Tiefenlager bleiben.

Was fasziniert Sie an dieser Arbeit?
Mein Arbeitsalltag ist generell sehr spannend. Es ist schön, wenn man etwas Neues entdeckt. Das Gegenteil ist aber genauso schön: Wenn ich etwas messe, mit meinen Modellen reproduziere und ich in meiner Annahme bestätigt werde. Beides hat seinen Reiz, deshalb wird es nie langweilig.

 

Sie forschen an kleinen Teilaspekten, Ihre Arbeit hat aber Einfluss auf ein grosses Projekt. Was macht das mit Ihnen?
Die Fragestellung ist extrem interessant. Wir brauchen eine Lösung für den radioaktiven Abfall. Dass ich hier einen kleinen Teil zum Sicherheitsnachweis für das Tiefenlager beitragen kann, macht mich stolz. Das Problem ist lösbar, das motiviert. Meiner Ansicht nach ist die Beteiligung an dieser Aufgabe derzeit etwas vom wichtigsten, was man als Forscherin machen kann.

«Meiner Ansicht nach ist die Beteiligung an dieser Aufgabe derzeit etwas vom wichtigsten, was man als Forscherin machen kann.»


Mit Ihrem Background in der Endlagerforschung ist davon auszugehen, dass Sie die Entwicklung rund um das Tiefenlager genau beobachten?
Ich habe den Standortvorschlag natürlich mitverfolgt und die Schweiz ist schon recht weit. Ich sehe, dass jahrelang geforscht wurde und diese Forschung wird nun angewandt. Das heisst, das ganze Projekt wird konkret. Man versteht zwar längst nicht alles innerhalb dieses grossen Projekts. So viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen etwas auf ihrem Spezialgebiet dazu bei. Aber ich bin überzeugt, dass es funktioniert. Das Beste, was wir tun können, ist eine wissenschaftsfundierte Lösung zu finden. Und genau das tun wir.

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