Verschwendete Energie? Darum nutzen wir die Abwärme von Atommüll nicht


Atommüll gibt sowohl im Zwischenlager als auch im Tiefenlager Wärme ab. Aus mehreren Gründen nutzen wir diese nicht.

Seite teilen

Fast bei jeder Tätigkeit, die Energie erfordert, entsteht Wärme: zum Beispiel in der Industrie, in Rechenzentren oder bei Kühlgeräten. Wer die Abwärme nutzt, steigert oft die Effizienz und schont Ressourcen und Umwelt.

Auch die radioaktiven Abfälle geben Wärme ab. Kann man diese nutzen?

Rein theoretisch ist das möglich. Aus mehreren Gründen nutzen wir die Wärme dennoch nicht.

Nachdem die Brennelemente ihren Nutzen im Kraftwerk erfüllt haben, gelangen sie als hochradioaktive Abfälle ins Zwischenlager. Dort werden sie in Transport- und Lagerbehältern, auch bekannt als Castor-Behälter, rund 40 Jahre zwischengelagert. Sie geben immer noch Wärme ab, allerdings nicht besonders viel.

Die Anlage zur Wärmenutzung wäre sehr teuer. Sie müsste strengen Sicherheitsvorschriften genügen und vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) geprüft werden. Dieser Aufwand würde sich nicht lohnen.

Rein theoretisch wäre es möglich, Wärme aus dem Tiefenlager zu nutzen.

Keine Verbindung zwischen Atommüll und Umwelt

Nach der Zwischenlagerung werden die Abfälle ins Tiefenlager transportiert. Der Wärmeertrag im Tiefenlager ist nochmals um einiges kleiner. Mit der Wärmeleistung der rund 2000 Endlagerbehälter, die ins Tiefenlager kommen, könnten sich rund 2000 Personen die Haare föhnen.

Der Hauptgrund, warum wir die Abwärme aus dem Tiefenlager nicht ableiten, liegt jedoch woanders: Wir wollen die Abfälle komplett von der Umwelt abschirmen – bis zu einer Million Jahre lang. Führen wir die Wärme aus dem Untergrund an die Oberfläche, müssten wir das System «durchlöchern». Genau das wollen wir vermeiden.

So sehen 2000 Haarföhne auf einem Haufen aus.

Fazit

Wirtschaftlich gesehen lohnt es sich nicht, die Wärme von Atommüll zu nutzen. Der Ertrag wäre zu klein und die Anlage zu teuer.

Viel entscheidender ist aber, dass die Sicherheit unter der Nutzung leiden könnte. Der Atommüll soll nicht mit der Erdoberfläche verbunden werden. Auch nicht durch eine Wärmesonde.

Und bei den Atomkraftwerken?


Da sieht die Situation etwas anders aus. In den Kraftwerken entsteht bei der Stromerzeugung viel mehr Wärme. Einen Teil der Abwärme aus Beznau I und II nutzt die REFUNA (Regionale Fernwärme Unteres Aaretal), um Wärme an rund 2700 Bezüger in elf Gemeinden zu liefern. Auch das Kernkraftwerk Gösgen liefert Prozesswärme an zwei nahegelegene Industriebetriebe.
Ähnliche Beiträge
Nagra News – Juli 2024
17.07.2024 #Jahrhundertprojekt #Lösung
Nagra News – Juli 2024

Auf der Zielgeraden zur Rahmenbewilligung • Geschäftsbericht 2023 veröffentlicht • Interview mit unserem Präsident und CEO

Die Eckpfeiler der Tiefenlager-Gebäude
22.06.2024 #Lösung
Die Eckpfeiler der Tiefenlager-Gebäude

Wie gross werden die wichtigsten Gebäude des Tiefenlagers und wo werden sie gebaut? Diese ersten Eckpfeiler setzt die Nagra für ihr Bauprojekt.

Vierbeiner für Endlager?
12.06.2024 #Jahrhundertprojekt #Lösung
Vierbeiner für Endlager?

Bereits nächstes Jahr startet der Betrieb des weltweit ersten Endlagers für hochaktiven Atommüll in Finnland. Mit dabei: Ein Roboter eines Schweizer Unternehmen, der das Lager künftig vollautomatisiert überwachen soll. Können dereinst auch im Schweizer Tiefenlager Roboter eingesetzt werden?