«Wir bauen ein Unikat – keinen Prototyp»


Gross denken: Bauingenieur Jürgen Brommundt weiss, dass ein Tiefenlager kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Er respektiert besonders die, die mutig vorangehen und Entscheidungen treffen.

Seite teilen

Wenn ich meinen Arbeitskolleginnen und -kollegen erzähle, dass ich früher für grosse Projekte gearbeitet habe, dann lachen die mich höchstens aus. Für Wasserkraftprojekte habe ich zum Beispiel ganze Talsperren modelliert. Das waren grosse Projekte, bei denen wir zwei bis drei Jahre an Studien gearbeitet haben. Aber eben: Was sind schon drei Jahre im Vergleich zu unserem Jahrhundertprojekt?

Man kann sich fragen, was ein Ingenieur bei einem Projekt will, dessen erste Bauphase frühestens in knapp zehn Jahren beginnt. Für mich war der Wechsel zur Nagra vor fünf Jahren aber genau das Richtige, denn ich habe in Ingenieurbüros schon einige Projekte weltweit gesehen und vieles erlebt. Hier bei der Nagra geht es thematisch viel mehr in die Breite und – im doppelten Sinn – in die Tiefe.

Meine Aufgabe ist es, alle Planungen zusammenzuführen. Ich muss Experten organisieren, Dinge zum Laufen bringen, das Projekt managen und leiten. Das Tiefenlager wird über 100 Jahre gebaut und betrieben und muss dann eine Million Jahre funktionieren – entsprechend gründlich gehen wir vor. Daran habe ich Spass.

Die Menschen hinter dem Jahrhundertprojekt

Jürgen Brommundt


ist stellvertretender Bereichsleiter Planung und Realisierung bei der Nagra. Geboren und aufgewachsen in Braunschweig, zog es ihn an die Universität Stuttgart, wo er seine Karriere als Bauingenieur lancierte. Zudem konnte er von da aus besser seinem liebsten Hobby frönen, dem Skifahren. Diese Leidenschaft gibt er gerne an seine beiden Kinder weiter. Jürgen Brommundt ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Wettingen.

Viel Arbeit, aber auch Gelassenheit

Spannend ist es, wenn die Planung umgesetzt wird. Da kann man sich nun wieder fragen: Was setzt ein Ingenieur bei der Nagra heute in die Tat um? Fakt ist: Der Standortvorschlag aus dem Jahr 2022 war eine Art Bewährungsprobe für unser Team. Und dann kam das grosse Highlight: die Rahmenbewilligungsgesuche (RBG). Wir haben allein neun Gesuchsunterlagen zu den RBG beigetragen, zahlreiche Referenzberichte geschrieben und auch nebenbei viel Unterstützung geleistet. Jahrelange Arbeit fügte sich zu einem stimmigen Gesamtbild.

Viel Arbeit ist stets mit einem gewissen Druck verbunden. In früheren Tagen hätte mich das vermutlich nervös gemacht, der Jürgen von heute nimmt es gelassener. Ich weiss: Es wird stressig, aber mit unserem Team kriegen wir das hin.

Was mich fasziniert, ist der Umgang mit dem, was wir nicht oder noch nicht wissen. Wir können und müssen heute noch nicht wissen, welchen Tunnel wir genau wo platzieren. Wir zerlegen das Projekt in viele kleine Teile und Schritte. Diese erlauben es uns, Teilentscheidungen zu treffen, ohne das grosse Ganze aus dem Blick zu verlieren. So führt eins zum anderen und wir kommen unserem Ziel, dem Tiefenlager, Entscheidung für Entscheidung näher.

Möchte zu seiner Pensionierung im Jahr 2041 im Testbereich des Tiefenlagers stehen: Bauingenieur Jürgen Brommundt.

«Wer nicht anfängt, wird nie fertig»

Unsere Bürde ist es, dass man uns wohl nie als die Good Guys sehen wird – wir entsorgen Atommüll. Doch was wir tun, ist wichtig und sinnstiftend. Das ist für mich das Entscheidende.

Worüber man sich im Klaren sein muss: Wir bauen ein Unikat und keinen Prototyp. Es gibt nicht viele Menschen, die sich mit der Planung und dem Bau von Tiefenlagern beschäftigen. Deshalb ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus internationalen Schwesterorganisationen wichtig. Letztendlich müssen aber wir von der Nagra entscheiden: ‹So machen wir das› – und uns mit unseren Vorschlägen der fachlichen und öffentlichen Kritik stellen. Das erfordert mutige Frauen und Männer, die vorangehen. Die haben wir bei der Nagra. Sie haben meinen grössten Respekt.

Wer nicht anfängt, wird nie fertig – zu meiner Pensionierung 2041 möchte ich im Testbereich des Tiefenlagers stehen.

Ähnliche Beiträge
Löst der «strahlenfressende» Pilz unsere Atommüll-Probleme?
13.01.2026 #Jahrhundertprojekt #Lösung
Löst der «strahlenfressende» Pilz unsere Atommüll-Probleme?

Schwarze Pilze und Frösche aus Tschernobyl begeistern die Wissenschaft und faszinieren die Internet-Community. Zahlreiche Mythen ranken sich um den «Tschernobyl-Pilz» – angereichert mit Falschinformationen und KI-generierten Bildern. Was steckt wirklich dahinter?

Nagra News – Januar 2026
08.01.2026 #Jahrhundertprojekt #Lösung #Menschen
Nagra News – Januar 2026

Was ein schwarzer Schwan mit dem Tiefenlager zu tun hat • Schon 60-Mal länger bei der Nagra als gedacht • Was einen Teebeutel und das Tiefenlager verbindet

Schon 60-mal länger bei der Nagra als gedacht
17.12.2025 #Jahrhundertprojekt #Menschen
Schon 60-mal länger bei der Nagra als gedacht

Lange dabei, aber nie langweilig: Uschi Züger-Fankhauser erlebte viele Meilensteine in ihrer Nagra-Karriere, doch der 19. November 2024 bleibt unvergesslich.