Wer macht was? Die Rollenteilung beim Schweizer Tiefenlager


Am Tiefenlagerprojekt der Schweiz sind verschiedene Akteure mit klar abgegrenzten Rollen beteiligt. Ein Überblick.

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Die Entsorgung unseres Atommülls stellt eine grosse Herausforderung dar: Aufgegleist wurde dieses Jahrhundertprojekt ab 2006 mit einem sogenannten Sachplan. Tönt für den Laien kompliziert – ist es tatsächlich auch.

Viele Akteurinnen und Akteure sind am Projekt beteiligt, ein Tiefenlager für die Schweiz zu ermöglichen. Doch wer macht eigentlich was?

Zugegeben: Den Überblick zu behalten, ist nicht immer ganz einfach. Wir versuchen zu helfen – mit einer interaktiven Zusammenstellung der Beteiligten.

Wir beginnen mit der wichtigsten Frage:

Wer macht heute was?

Nun wissen wir, welche Player über das Tiefenlager in Nördlich Lägern befinden. Es hat allerdings viele Jahre gedauert, um diese Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten. Wie oben erwähnt, gab der Sachplan ab dem Jahr 2006 dem Verfahren die Richtung vor. Seither haben verschiedenste Gremien und Organisationen ihren Teil beigetragen. Nicht wenige sind zudem bereits wieder aus dem Prozess ausgeschieden. Zum Beispiel wurden die Regionalkonferenzen der nicht berücksichtigten Standortgebiete aufgelöst.

Die folgende Grafik fokussiert daher auf Institutionen, die rund um das Rahmenbewilligungsgesuch in das Projekt Tiefenlager involviert sind. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.

Viele Expertinnen und Experten

Über die zahlreichen Expertinnen und Experten rund um die Entsorgung radioaktiver Abfälle haben wir auch schon berichtet. Hier geht’s zum Artikel:

Experten-ABC
Das Experten-ABC mit Maurus Alig
Das Experten-ABC mit Maurus Alig

Viele Buchstaben und verwirrende Abkürzungen: Bei all den Expertengremien verliert man schnell einmal die Übersicht. Maurus Alig zeigt auf, wer alles zur Sicherheit des Tiefenlager beiträgt.

Viele weitere Involvierte

Auch das ist noch nicht alles. Nebst den Expertinnen und Experten gibt es zahlreiche weitere Gruppen, Vereine und Organisationen, die das Projekt Tiefenlager begleiten und mitgestalten. Hier eine nicht abschliessende Auflistung von weiteren Institutionen (alphabetisch):

AdK – Ausschuss der Kantone
Der Ausschuss der Kantone stellt die Zusammenarbeit zwischen den Regierungsvertretern der Standortkantone sowie der betroffenen Nachbarkantone und Nachbarstaaten sicher.

Agneb – Arbeitsgruppe des Bundes für die nukleare Entsorgung
Sie erarbeitet Stellungnahmen zuhanden des Bundesrats, begleitet die Bewilligungsverfahren auf Bundesebene und behandelt Fragen der internationalen Entsorgung.

Beirat Entsorgung
Er berät das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation bei der Auswahl von Standorten für geologische Tiefenlager zur Entsorgung radioaktiver Abfälle.

Forum VERA (Verantwortung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle)
Das Forum VERA setzt sich für eine technisch sichere Entsorgung radioaktiver Abfälle ein und zählt Mitglieder aus Politik, Kultur und Wissenschaft.

EGT – Expertengruppe Geologische Tiefenlagerung
Sie unterstützt das ENSI bei der sicherheitstechnischen Beurteilung, aber auch beim Beizug von Expertinnen und Experten. Die EGT setzt sich aus Fachleuten des Hochschulbereichs und aus der Privatwirtschaft zusammen, die in keinem Auftragsverhältnis zur Nagra stehen.

KNS – Eidgenössische Kommission für nukleare Sicherheit
Die KNS berät den Bundesrat, das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Umwelt (UVEK) und das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) in Fragen zur nuklearen Sicherheit von Kernanlagen. Sie besteht aus fünf bis sieben Mitgliedern.

LoTi – Verein Nördlich Lägern ohne Tiefenlager
Der Verein engagiert sich «gegen die Errichtung eines Endlagers wie es derzeit gemäss den gesetzlichen Vorgaben in der Schweiz vorgesehen ist».

STADELaktiv
Die Interessengemeinschaft aus der Gemeinde Stadel – also der Gemeinde, in der die Zugangsanlagen zum Tiefenlager gebaut werden – setzt sich für einen fairen Prozess und die Interessen der Stadler Dorfbevölkerung ein.

STENFO – Stilllegungsfonds für Kernanlagen und Entsorgungsfonds für Kernkraftwerke
Die Fonds haben den Auftrag, die Finanzierung der Stilllegungs- und Entsorgungskosten sicherzustellen. Wer radioaktive Abfälle produziert, ist verpflichtet, in die Fonds einzuzahlen. Die Fonds sind dem UVEK zugeordnet, aber als dezentralisierte Verwaltungseinheit mit einer rechtlichen Selbständigkeit ausgestattet.

Swissnuclear
Der Verband der Schweizer Kernkraftwerkbetreiber. Er vertritt deren Interessen und führt die Abgeltungsverhandlungen mit der betroffenen Region.

TFS – Technisches Forum Sicherheit
Es diskutiert und beantwortet technische und wissenschaftliche Fragen aus der Bevölkerung, von Behörden und Organisationen.

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