«Die Geologie bleibt, unsere Fragestellungen ändern sich»


Valentina Zampetti hat ein besonderes Flair für knifflige Systeme und Aufgaben. Damit ist die Geologin bei der Nagra am Ort ihrer Bestimmung angelangt.

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«Die Nagra ist ein Ort, an dem technische Exzellenz auf ein hohes Verantwortungsbewusstsein trifft. Ich bin stolz darauf, seit Ende 2021 zu einem Projekt beizutragen, das nicht nur die Wissenschaft voranbringt, sondern auch unseren Planeten für kommende Generationen schützt. Meine bisherige Karriere erstreckte sich über mehrere Kontinente, Industriebranchen und Disziplinen. Alle diese Perspektiven kann ich hier einbringen.

Meine Hauptaufgabe besteht darin, den geologischen Untergrund zu bestimmen. Unser Ziel ist, ein integriertes geologisches Modell für den Standort Nördlich Lägern zu erstellen. Dieses Modell kombiniert unsere Datensätze aus allen Disziplinen, um ein möglichst vollständiges und realistisches Bild zu liefern. Das ist eine grosse technische Herausforderung – genau so eine Aufgabe habe ich gesucht. Was mich besonders fasziniert: Als Geologen sind wir es gewohnt, in die Vergangenheit zu blicken. Bei der Nagra wenden wir unser Wissen an, um auch in die Zukunft zu schauen.

Die Menschen hinter dem Jahrhundertprojekt

Valentina Zampetti


Das Studium als Geologin hat sie an der Università degli Studi Camerino in Italien absolviert. An der Vrije Universiteit Amsterdam erlangte sie ihren Doktortitel in der Interpretation von Karbonatplattformen. Bevor die Italienerin Ende 2021 zur Nagra stiess, war sie in der Öl- und Gasindustrie in den Niederlanden sowie in Katar, Schottland und London tätig. Sie lebt in den Niederlanden, aber nennt Italien ihr Zuhause. An den Wochenenden geniesst sie die Zeit mit ihrer Familie und mit Freunden, wenn sie nicht gerade die Welt bereist. In dieser Serie stellen sich die Menschen hinter dem Jahrhundertprojekt gleich selbst vor.

Ein Moment des Wandels
Meine Stärken sehe ich darin, dass ich die Probleme ganzheitlich zu lösen versuche. Während meiner Zeit in der Öl- und Gasindustrie hatten meine Entscheidungen oft grosse finanzielle Auswirkungen. Das hat mich gelehrt, Präzision mit Pragmatismus zu verbinden. Ich weiss, wie man Geologie, Ingenieurwesen und Sicherheitsaspekte unter einen Hut bringt. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist der Schlüssel, um auch die komplexen Herausforderungen hier bei der Nagra zu bewältigen.

Als wir am 19. November 2024 die Rahmenbewilligungsgesuche (RBG) einreichten, war mein Körper noch mit Adrenalin vollgepumpt – wir hatten lange und mit Hochdruck auf diesen Moment hingearbeitet. So richtig bewusst wurde mir die Bedeutung dieses Tages aber erst im Nachhinein. Heute – mit ein bisschen Abstand – bin ich extrem stolz auf das, was wir geleistet haben.

Mein Fokus beim RBG lag auf der seismischen Charakterisierung. Ich half mit, die ungestörten Bereiche im Untergrund zu identifizieren, in denen wir das Tiefenlager bauen können. Jener 19. November markiert einen Höhepunkt unserer immensen wissenschaftlichen Anstrengungen. Gleichzeitig war es ein Moment des Wandels für uns als Nagra: Durch die Zusammenarbeit am RBG ist ein Team mit einer gemeinsamen Vision entstanden. Das ist sehr wichtig für die Zukunft, die noch viele spannende Herausforderungen für uns bereithalten wird.

Der Bau des Tiefenlagers rückt immer näher. Die Geologie verändert sich nicht, unsere Fragestellungen schon. Uns muss der Übergang gelingen von grossflächigen Analysen zu einer detaillierteren und projektorientierten Lösung. Wir wollen sicherstellen, dass wir jedes geologische Element gründlich verstanden haben und in den Entscheidungsprozess einbeziehen. Dadurch können wir unsere Ingenieure und Sicherheitsexpertinnen bei der Erreichung der hohen Standards unterstützen.

Valentina Zampetti vor einer Darstellung des geologischen Untergrunds.

Zwischen Katze und Krimis
Ausserhalb der Nagra führe ich ein Leben der Kontraste. Meine Familie lebt in den Niederlanden, weshalb ich wöchentlich in die Schweiz pendle. Zuhause geniesse ich die ruhigen Momente mit meinem Mann, meinem dreizehnjährigen Sohn und unserer Katze. Ich interessiere mich für Krimis, Geschichten über Verschwörungstheorien und die politische Geschichte Italiens. Oft tauche ich in Bücher und Dokumentationen ein, um diese faszinierenden Themen zu erkunden. Diese Neugier, komplexe Systeme und Erzählungen zu verstehen, spiegelt auch meine beruflichen Interessen wider: Beides erfordert das Zusammensetzen komplexer Puzzles.»

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