Ein Schwerlasttransport transportiert einen Castor-Behälter, in dem sich radioaktive Abfälle befinden. Die Zugmaschine hat 4 Achsen. Der Tieflader-Anhänger hat 12 Achsen.

So kommen die Abfälle zum Tiefenlager


«Wo ist der Atommüll und wie kommt er ins Tiefenlager?» Diese zwei Fragen werden häufig gestellt.

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Wo ist der Abfall und weshalb muss er transportiert werden? 

Der radioaktive Abfall der Schweiz wird grösstenteils im zentralen Zwischenlager (ZWILAG) und dem Bundeszwischenlager in Würenlingen gelagert. Von dort muss er zum Tiefenlager in der Gemeinde Stadel transportiert werden.

Wie werden die Abfälle transportiert? 

Der Schutz von Mensch und Umwelt hat bei Transporten radioaktiver Abfälle die oberste Priorität. Die gesetzlichen Vorgaben sind streng. Entsprechend aufwändig ist die praktische Umsetzung, technisch und organisatorisch. Die spezielle Konstruktion der Behälter ist selbst auf extreme Unfallszenarien ausgelegt. Die Hürden für die Bewilligung sind hoch.

Grundsätzlich werden derartige Transporte in der Schweiz und in vielen anderen Ländern seit Jahrzehnten via Schiene und Strasse durchgeführt. Beide Varianten sind Routine und sicher. Keine der beiden Varianten hat einen Sicherheitsvorteil.

Für das Tiefenlager in Nördlich Lägern favorisieren wir einen unterbrechungsfreien Abfall-Transport zwischen dem ZWILAG und der Oberflächenanlage in Stadel über die Strasse.

Mehrere Gründe sprechen für diese Variante:

  • Unkomplizierte Logistik: Für den LKW-Transport gilt «Laden», «Fahren» und «Entladen». Es sind weniger Handlungsschritte und Rangierbewegungen nötig.
  • Vorhandene Infrastruktur: Drei Routen könnten heute schon befahren werden. Eine optionale vierte Route wäre mit übersichtlichem Aufwand (z. B. für höhere Durchfahrten) möglich.
  • Flexibilität: Transporte über die Strasse sind unabhängig vom Fahrplan des Schienenverkehrs. Es stehen mehrere Routen zur Verfügung, die für Transporte genutzt werden können.
  • Dem höheren Aufwand beim Schienentransport steht kein Nutzen gegenüber.

Der Transport via Schiene wäre grundsätzlich ebenfalls möglich. Allerdings wäre hierfür der Bau von Verladestationen nötig. Beim Transport via Schiene werden zwei zusätzliche Ladevorgänge nötig: Weder das Zwischenlager in Würenlingen noch die Oberflächenanlage im Haberstal sind direkt ans Bahnnetz angeschlossen: Dementsprechend muss die erste und die «letzte Meile» per LKW transportiert werden.

Wann wird über die Transportroute entschieden?

Die Nagra legt sich erst mit der Baubewilligung (ca. im Jahr 2040) auf eine bestimmte Transportroute fest. Die zu diesem Zeitpunkt sinnvollste Variante wird gewählt werden. Das bedeutet, dass auch der Transport via Schiene umgesetzt werden könnte.

Welche Routen sind vorgesehen?

Drei Routen via Strasse eignen sich bereits heute ohne bauliche Massnahmen für Schwertransporte. Eine vierte Route könnte mit wenigen Ausbauten ebenfalls zur Verfügung stehen. Über die Wahl der jeweiligen Route wird kurz vor dem Transport entschieden. Diese Entscheidung hängt unter anderem von der allgemeinen Verkehrs- und Baustellensituation ab. Mit dem LKW kann auch nachts zu verkehrsarmen Zeiten gefahren werden.

Mögliche Transportrouten zum Tiefenlager.

Wie viele Transporte werden durchgeführt?

Gemessen am allgemeinen Verkehrsvolumen fallen die Transporte kaum ins Gewicht.
Für schwach- und mittelaktive Abfälle sind rund drei Transporte pro Tag geplant. Die Transportfahrzeuge unterscheiden sich nur durch eine Gefahrgut-Kennzeichnung von gewöhnlichen Lastwagen.

Zwischen 2060 und 2075 ist im Mittel ein Transport-Konvoi pro Woche mit hochaktivem Abfall geplant. Die Polizei wird diese Konvois begleiten.

Zusammengefasst können wir sagen: Beide Varianten sind sicher, beide Varianten sind machbar. Aus heutiger Sicht favorisieren wir die Strasse, weil diese Variante mehr Flexibilität verspricht und weniger Aufwand benötigt.

 

Titelfoto: © Comet Photoshopping, Dieter Enz

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