Nagra schlägt «Nördlich Lägern» als Standort für das Schweizer Tiefenlager vor


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Nördlich Lägern ist der sicherste Standort für ein Tiefenlager: Dort schliesst das Gestein im Untergrund den radioaktiven Abfall langfristig am besten ein. Dies zeigen die Untersuchungen der Nagra. Der Standortvorschlag ist ein wichtiger Meilenstein für das Jahrhundertprojekt Tiefenlager.


Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) schlägt Nördlich Lägern als Standort für ein Tiefenlager vor. Umfangreiche Untersuchungen haben gezeigt: Nördlich Lägern ist der beste Standort mit den grössten Sicherheitsreserven. Die Qualität des Gesteins ist dort am höchsten, es schliesst den radioaktiven Abfall am besten ein – heute und in ferner Zukunft. Während sich die Landschaft an der Erdoberfläche verändert, bleibt das Tiefenlager im Untergrund in Nördlich Lägern am besten geschützt, weil das Gestein dort am stabilsten ist. Zudem ist der geeignete Bereich im Untergrund von Nördlich Lägern am grössten – und damit auch die Flexibilität beim Bau des Lagers.

Das Gebiet Nördlich Lägern liegt im Zürcher Unterland in der Nordschweiz. Der Eingang zum Tiefenlager, die sogenannte Oberflächenanlage, soll im Gebiet Haberstal in der Zürcher Gemeinde Stadel gebaut werden. Dieser Standort wurde in Zusammenarbeit mit der Region und dem Kanton bestimmt. Die Verpackungsanlagen für den radioaktiven Abfall plant die Nagra beim bereits bestehenden Zwischenlager (Zwilag) in Würenlingen. Dort bieten sich Synergien mit dem Zwischenlager und ökologische Vorteile.

Alle Gebiete geeignet, aber Nördlich Lägern am besten

Die Untersuchungen der Nagra haben auch gezeigt: In allen drei untersuchten Regionen – Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost – könnte ein sicheres Tiefenlager gebaut werden. Nördlich Lägern ist aber der sicherste Standort.

Mit dem Standortvorschlag revidiert die Nagra eine frühere Bewertung. 2015 hatte sie in Nördlich Lägern aus der damaligen Datenlage bautechnische Nachteile abgeleitet. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) beanstandete, diese Nachteile seien nicht ausreichend mit Daten untermauert. In der Folge wurden alle drei Gebiete ausführlich untersucht. Fazit aufgrund der Ergebnisse: Die damalige Bewertung der Nagra war zu vorsichtig.

Nach Jahrzehnten der Forschung sind die Grundlagen für das Jahrhundertprojekt Tiefenlager geschaffen. Die Nagra erarbeitet nun bis voraussichtlich 2024 die Rahmenbewilligungsgesuche, die beim Bund eingereicht werden. Anschliessend prüfen Behörden und Expertengremien die Gesuche, bevor der Bundesrat und das Parlament darüber entscheiden. Kommt ein Referendum zustande, hat das Schweizer Stimmvolk das letzte Wort. Bis die ersten Abfälle eingelagert werden, dauert es noch rund dreissig Jahre.

Hintergrundinformation:

Eine ausführliche Begründung des Standortvorschlags der Nagra kann hier heruntergeladen werden: www.nagra.ch 

Am 17.9. eröffnet die Nagra in Stadel einen Infopavillon. Geöffnet ist er jeweils von 9 bis 19 Uhr, Montag bis Freitag.

Das Schweizer Kernenergiegesetz schreibt vor, dass der radioaktive Abfall der Schweiz in einem Tiefenlager entsorgt werden muss. Es herrscht heute international breiter wissenschaftlicher Konsens darüber, dass ein Tiefenlager die sicherste Entsorgungslösung ist. Theoretisch könnte der radioaktive Abfall auch in zwei separaten Lagern in zwei verschiedenen Gebieten entsorgt werden: in einem Lager für schwach- und mittelaktive Abfälle und einem für hochaktive Abfälle. Die Nagra schlägt aber ein sogenanntes Kombilager vor, das für alle Arten von radioaktivem Abfall geeignet ist. Ein Kombilager ist genauso sicher wie zwei Einzellager, gleichzeitig aber ökologischer und ökonomischer.

 

Weitere Auskünfte: Medienstelle Nagra, +41 56 437 12 06, medien@nagra.ch

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