Die Eckpfeiler der Tiefenlager-Gebäude


Wie gross werden die wichtigsten Gebäude des Tiefenlagers und wo werden sie gebaut? Diese ersten Eckpfeiler setzt die Nagra für ihr Bauprojekt.

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Das Tiefenlager ist ein generationenübergreifendes Grossprojekt. Die Bewilligung erfolgt schrittweise: Vor der Baubewilligung benötigt die Nagra zuerst die sogenannte Rahmenbewilligung. Sie legt – wie es der Name schon sagt – den groben Rahmen für das Tiefenlager fest. Geben Bundesrat und Parlament grünes Licht, ist das ein politischer Grundsatzentscheid: Die Schweiz realisiert das Tiefenlager in der Region Nördlich Lägern.

Mit der Rahmenbewilligung werden die ersten Eckpfeiler gesetzt: Unter anderem werden das Areal für die Oberflächenanlage sowie die ungefähre Grösse der wichtigsten Bauten definiert.

Oberflächenanlage im Haberstal

Die Oberflächenanlage des Tiefenlagers soll im Bereich Haberstal in der Gemeinde Stadel gebaut werden. Beim Flächenbedarf der Oberflächenanlage gilt es zwei Teilbereiche zu unterschieden: Den Anlagenperimeter (rot umrandet) und den Eingliederungssaum (grün). Beides zusammen bildet den Projektperimeter.

Innerhalb des rund 13 Hektaren grossen Anlagenperimeters werden die Gebäude des Tiefenlagers gebaut. Der Perimeter gibt den maximalen Rahmen vor. Wie genau die Gebäude angeordnet und wie gross die Gebäude exakt sein werden, wird später mit der Baubewilligung festgelegt. Ebenfalls Teil des Perimeters sind Installationsflächen. Sie werden für den Betrieb der Baustelle benötigt.

Der Anlagenperimeter (rot umrandet) und der Eingliederungssaum (grün).

So gross werden die wichtigsten Gebäude

Die Oberflächenanlage umfasst alle Gebäude an der Oberfläche. Zu den wichtigsten Gebäuden gehören die Zugangsbauwerke zum Tiefenlager sowie die Bereitstellungshalle, in welcher die verpackten Abfälle vor dem Transport ins Lager bereitgestellt werden. Dazu kommen weitere Gebäude, die während des Baus und Betriebs des Lagers oder für die Logistik benötigt werden.

Mit der Rahmenbewilligung werden für die wichtigsten Gebäude die maximalen Dimensionen festgelegt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die maximalen Längen, Breiten und Höhen nicht überall benötigt werden. Innerhalb dieses maximalen Rahmens können die Gebäude optimal ausgestaltet werden.

Innerhalb der maximal beantragten Grössen können verschiedene Gebäudevarianten realisiert werden.

Dimensionen der wichtigsten Gebäude

GebäudeFunktionLänge [m]Breite [m]Höhe [m] über Terrain
BereitstellungshalleBereitstellen verpackter Abfälle vor dem Transport ins Lager40 – 6030 – 5015 – 25
Schachtkopfanlagen bzw. RampenportalBau und Betrieb des Tiefenlagers inkl. Einlagerung der Abfälle60 – 12040 – 9030 – 45
SchachtkopfanlageLüftung des geologischen Tiefenlagers30 – 5020 – 4010 – 20 (45 falls Kamin)

Das Tiefenlager muss belüftet werden. Frischluft muss angesaugt, und Luft aus dem Tiefenlager ausgestossen werden. Letzteres muss hoch über dem Boden geschehen. Dadurch wird eine Rezirkulation verhindert. Das heisst, die Luft aus dem Tiefenlager wird nicht erneut angesaugt. Die Schachtkopfanlage bzw. das Rampenportal für den Bau, Betrieb und die Einlagerung der Abfälle ist mit maximal 45 Metern Höhe genug hoch, um Luft auszustossen, ohne Risiko einer Rezirkulation. Die Schachtkopfanlage zur Lüftung des Tiefenlagers kann frische Luft ansaugen. Noch offen ist, ob sie auch Luft ausstossen können muss. Wenn ja, bräuchte es einen Kamin, sodass die Luft in genügend grosser Höhe ausgestossen werden könnte.

Der Eingliederungssaum

Der Eingliederungssaum bildet einen rund 50 Meter breiten Streifen um den Anlagenperimeter. Im Saum werden keine Gebäude gebaut. Der Saum liegt etwa zur Hälfte im Wald, und dient dort der Sicherheit. Die Waldfläche bleibt bestehen, muss aber als sogenannte Niederhaltungszone bewirtschaftet werden – wie beispielsweise im Bereich von Stromleitungen. So wird verhindert, dass umfallende Bäume oder ein Waldbrand die Sicherheit der Anlage beinträchtigen.

Die zweite Hälfte des Saums auf freier Fläche sichert dem Projekt die nötige Flexibilität: Im weiteren Projektverlauf besteht dadurch die Möglichkeit, die Anlage in die Landschaft einzugliedern, beispielsweise mit einem begrünten Erdwall als Sichtschutz. Die Region hat eine gute Eingliederung als wichtiges Anliegen eingebracht. Ob und welche Massnahmen umgesetzt werden, ist noch offen. Gemeinsam mit den betroffenen Anspruchsgruppen wird dies in den nächsten Jahren geklärt.

Der Eingliederungssaum liegt etwa zur Hälfte im Wald.

Die Verpackungsanlage

Die Verpackungsanlage wird beim Zwischenlager in der Gemeinde Würenlingen geplant. In dieser Anlage werden die hochaktiven Abfälle von den grossen Transport- und Lagerbehältern in die kleineren Endlagerbehälter umverpackt und für den Transport zum Tiefenlager vorbereitet. Für das Gebäude wird eine Fläche von 50 bis 70 mal 90 bis 110 Meter und eine Höhe von 30 bis 50 Meter vorgesehen. Auch diese Dimensionen sind als Bandbreiten zu verstehen. So kann die Verpackungsanlage weiter optimiert werden und vom technologischen Fortschritt profitieren.

Es gibt einen Anlagenperimeter, einen Eingliederungssaum und eine Installationsfläche für den Betrieb der Baustelle. Der Perimeter umfasst gut 2 Hektaren. Wie bei der Oberflächenanlage werden die genaue Platzierung und Grösse der Bauten erst mit der Baubewilligung festgelegt. Der Eingliederungssaum ist knapp 1 Hektare gross und befindet sich vollständig im Wald. Auch hier wird es eine Niederhaltungszone geben, damit umfallende Bäume oder ein allfälliger Waldbrand die Sicherheit der Anlage nicht beeinträchtigen.

Der Anlagenperimeter (rot umrandet) der Eingliederungssaum (grün) sowie die Installationsfläche (orange).

Die Nagra reicht am 19. November zwei Rahmenbewilligungsgesuche bei den Bundesbehörden ein. Eines für das Tiefenlager und eines für die Verpackungsanlage. Die Gesuche werden von den Bundesbehörden eingehend geprüft. Schlussendlich legt der Bund beim Erteilen der Rahmenbewilligung die Flächen fest und hat somit das letzte Wort.

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