«Es hat viele Jahre und grossen Einsatz unserer Mitarbeitenden gebraucht, dieses Projekt bis ins kleinste Detail vorzubereiten», so Marc Demarche, Generaldirektor der NIRAS/ONDRAF, dem belgischen Pendant zur Nagra. «Dieses Projekt» ist der Bau und Betrieb eines Endlagers für die schwach- und mittelaktiven, nicht aber für die hochaktiven Abfälle Belgiens. Gebaut wird die Anlage in Dessel, rund 70 Kilometer nordöstlich von Brüssel. Bohrgeräte und Tunnelbohrmaschinen werden in Dessel jedoch nicht auffahren. Anders als die Schweiz setzt Belgien für diese Abfallsorten auf die Oberflächenlagerung. Jetzt ist der Grundstein gelegt.
So funktioniert das Oberflächenlager
Der belgische Abfall soll in grossen Betonbehältern eingeschlossen und anschliessend in massiven Betonbunkern gelagert werden. Insgesamt sind rund 29’000 Betonbehälter vorgesehen. Bau und Betrieb werden rund 50 Jahre dauern. Anschliessend wird die Anlage mit natürlichen und künstlichen Materialien versiegelt. Sichtbar bleiben nur zwei grüne Hügel mit einer Höhe von rund 20 Metern. Danach beginnt die 300-jährige Überwachungsphase.
Generaldirektor Demarche betont an der Grundsteinlegung, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den zwei angrenzenden Gemeinden Dessel und Mol sei. In den letzten 25 Jahren konnte die Bevölkerung das Projekt aktiv mitgestalten.
Erinnerung an die Zukunft
Parallel zur Baustelle eröffnet das Besucherzentrum Tabloo der NIRAS/ONDRAF eine neue temporäre Ausstellung mit dem Titel «Dear Time» – was so viel wie «liebe Zeit» bedeutet. Sie behandelt eine der grossen Fragen im Zusammenhang mit radioaktiven Abfällen: Wie können wir sicherstellen, dass zukünftige Generationen das Endlager im Gedächtnis behalten und weiter überwachen?
Durch Kunst, Wissenschaft und den Beitrag der Gemeinschaft reflektiert die Ausstellung über das Wesen der Zeit und über generationenüberschreitende Verantwortung.
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